Cony Theis in der JVA Zweibrücken

Um das vorwegzunehmen: Die Kölner Künstlerin Cony Theis hat sich nichts zu schulden kommen lassen. Wenn sie auch zum wiederholten Male in einer Justizvollzugsanstalt sitzt. Auch diesmal wieder als eingeladenen Künstlerin auf einem Stuhl, um mit den Workshopteilnehmern, einer Mischung von Häftlingen und Anstaltsleitung, die mosaikartige Farbgestaltung für die Außenfassade zu erarbeiten. Dabei geht es um die ästhetischen Umsetzung und Visualisierung einer demokratischen Idee: „Der positiven Gestaltung der Umgebung durch persönlichen Einsatz, Eigenverantwortung und Mitbestimmung innerhalb bestimmter Gegebenheiten.“

Nach einer ersten Arbeit im öffentlichen Raum (!), dem Innenhof der JVA in Dietz, in der sie Tische und Bänke installierte mit Geschichten und Erlebnissen der Häftlinge, ist dies nun eine zweite Arbeit für eine solche Anstalt. Ich höre ihr mit Interesse zu, wenn sie davon erzählt, wie sie den Kontakt zu den Häftlingen aufbaut, um diese zu einer Mitarbeit zu bewegen. Geradeaus und ehrlich ist der Weg, den sie dabei einschlägt. Eine bestimmt nicht alltägliche Arbeit für einen Künstler. Dabei trifft sie von Ablehnung bis zur engagierten Mitarbeit, das gesamte gesellschaftliche Spektrum also. Bei diesem Projekt geht Cony Theis in drei Schritten vor:

1. einfache Wahl:
Allen Inhaftierten und allen Beschäftigten der JVA wird eine Farbkarte des Eternit Pictura Sortiments ausgehändigt mit der Bitte, bis zu einem festgelegten Datum eine von ihm gewünschte Farbe auszuwählen. Nichtwahl wird hellbeige gewertet, der vorher geplante Hauptton des Gebäudes. Die abgegebenen Farbwünsche werden im Verhältnis zur Anzahl der Platten auf die Fassade verteilt.
2. workshop Farbgestaltung:
In einem mehrtätigen workshop zu Farbgestaltung werden Häftlinge eingeladen, individuelle Farbkombinationen zu entwickeln. Die Farben sollen aus der persönlichen Zuordnung zu ihrem Leben abgeleitet werden. Die Ergebnisse dienen als Ausgangspunkt für die Lackierung einer entsprechenden Anzahl Platten mit Effektlacken.
3. Auswahl aus mehreren Variationen des Fassadenmosaiks:
In Abhängigkeit vom Umfang der Beteiligung sind unterschiedliche graphische Gestaltungen reizvoll (geregelt/ungeregelt, siehe drei Variationen) und werden deshalb erst später entschieden. Mehrere Variationen aus den erzielten Ergebnissen werden den Häftlingen und den in der JVA Beschäftigten zur Auswahl vorgestellt.

Die Variation mit den meisten Stimmen wird umgesetzt. Je nach Beteiligung wird die Farbintensität größer oder übersichtlicher ausfallen. Damit ist die Beteiligung in einem gewissen Sinne nach Außen hin sichtbar. Mehr zum Projekt: hier.

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3 Kommentare

  1. Schöner Artikel, Burkhard.

    Muss aber mal anmerken, daß der Fliesstext bei mir auf dem PC nur schwer zu lesen ist.

    12px Schriftgrösse ist schon etwas klein. Würde auch vorschlagen die Schriftdefinition von „Helvetica, Arial…“ in „Arial, Helvetica…“ umzuschreiben. Wird auch am PC besser dargestellt.

    Grüße
    Stefan

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