Kunst oder Leben?

Eigentlich ist mit dieser Frage schon alles gesagt. Leben müssen wir, Kunst ist eine Option. Oder ist es umgekehrt? Oder vielleicht: Haben wir gar keine Wahl? Müssen wir Kunst leben? Ist ein Leben ohne Kunst kein Leben? Es gibt Menschen die denken, daß für sie diese Fragen nicht wichtig sind. Wichtig ist: Das Leben meistern. Der Gelderwerb, um die Miete zu bezahlen. In der Gesellschaft einen Platz finden. Freizeitgestaltung. Kinder. Das Engagement für nachhaltigen Umweltschutz. Das Schützen der freien Entfaltung in unserer Gesellschaft. Beste Voraussetzungen schaffen für die Bildung meiner Kinder. Die eigene emotionale Intelligenz pflegen. Auf sich aufpassen. Beweglich bleiben, fort entwickeln.

So gesehen, besteht mein Leben daraus, daß ich in Bewegung bleibe. Wandel akzeptieren. Mitwirken. Dafür brauche ich wiederum ein hohes Maß an freiheitlicher Entfaltungsmöglichkeit. Mein Bewußtsein muß sich erweitern können. Ich muß dazu bereit sein, geistig und gesundheitlich und muß kreative Ansätze entwickeln, um dorthin zu kommen.

Was tut ein Künstler? Er lebt sein Leben aus einem kreativen Ansatz heraus. Das ermöglicht ihm, Räume zu erweitern. Dies geht nur, wenn er (geistig) frei von gesellschaftlichen Konventionen leben kann. Damit schafft er Wandel und wirkt aktiv mit. Er ist im besten Fall ein lebendiges Beispiel für Bewegung.

Was ist nun Leben, was ist Kunst?

Läßt sich die Kunstproduktion von der Arbeit an der eigenen Lebensführung unterscheiden? Ist nicht der gemeinsame Nenner von Kunst und Leben die Arbeit an oder besser aus meinem Innendrin? Das, was sichtbar wird, ist in beiden Fällen das Ergebnis von innerer Arbeit. Somit ist mein Tun, mein Werk, das sichtbare Ergebnis meiner inneren Arbeit. Die Entfaltungsmöglichkeiten können dabei sehr unterschiedlich sein.

Der Künstler Andrey Ustinov beschreibt künstlerisches Tun in seinem Manifest „Kunst als prothetische Einrichtung“ folgendermaßen: „…so wie eine Brille, die Sehkraft verschärft und ein Hörgerät das Gehör, so verschärft die Kunst als Prothese die politische Wahrnehmung der Realität.“ Ein künstlerisches Tun ohne „Verwendungszweck“ bezeichnet er als nutzlos. So wie eine Lebensführung, die eigene Stärken nicht ausleben und einsetzen will.

Ohne Prothese arbeitet die Gruppe WochenKlausur in Österreich. Die Projektliste liest sich wie die einer Attac Landesgruppe: Schlafplätze für drogenabhängige Frauen, Freizeitraum für Schülerinnen, Jugendtreff für Goldegg, Programmkino für Migrantinnen, usw. Was hat das mit Kunst zu tun? Die Antwort ist einfach: Sie bestehen darauf: „Auch das Verständnis für ein Wort wie Kunst lässt sich beeinflussen. Es wird geradezu permanent beeinflusst. Es wird laufend neu „erarbeitet“. Und mit jeder veränderten Bedeutung des Wortes ändern sich, beinahe beiläufig, auch die Funktionen von Kunst. Wenn also der amerikanische Philosoph Richard Rorty behauptet, Begriffe werden stets als Mittel für bestimmte Zwecke eingesetzt, stellt sich auch für die Kunst die Frage, wofür wird das Wort verwendet, wer bezweckt damit was?“ Quelle

Ein Workshop im Museum of Contemporary Art von Los Angeles im Rahmen des Levi´s Film Workshop setzte sich im Rahmen der Ausstellung „Art in the Streets“ mit der Thematik Ernährung und Lebensmittel auseinander. Ergebnis waren Kurzfilme wie der von Aaron Rose „Wild Goodness“. Episodenhaft zeigt er poetische Bilder einer „mobile bike farm“, ein Stück mit Hühnern im Stile der Screen Tests von Andy Warhol und eine „Vorlesestunde“ zur Themen-Bildung. Ein schönes Beispiel, wie Museumsarbeit die eigenen Ketten sprengt.

Dort wo Kunst nach innen und nach außen schaut, wo Leben nach innen und nach außen schaut: Da geschieht Wandel. Dort kommt etwas in Fluß. Dort kann unbekanntes oder angstbesetztes Terrain erschlossen werden. Und das ist der Lauf des Lebens. Das bestimmt mitmenschliches Zusammenleben.

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